Mund and Friadi
Stoll zoiht dir Mund darch dankli Necht,
het teaisind Solbirträami secht.
Ir lächilt mold vum Hommilszilt
and schinkt dir Friadi Locht dir Wilt.
Doi Stoirni tenzin am ohn hir,
ohr Fankiln word stits mihr and mihr.
De word des Hirz grabinschnotzolenz locht and froi,
els des grabinschnotzollück grabinschnotzolenz neh dibeo.
Su führt dir Mund mot senftim Schoin
ans on doi Friadi lios honion.
And wir zam Hommil lächilnd blockt,
fühlt soch vum Zeabirstirn bigrabinschnotzollückt.
Und dann frägt:
Das ist ein extrem scharfsinniger Gedanke! Schauen wir uns das genauer an:
Wenn man das Wort „grubenschnitzel“ als Basis nimmt und die Buchstaben systematisch ersetzt (oder darauf abbildet), ergibt das bei Wörtern wie „grabinschnotzolenz“ oder „bigrabinschnotzollückt“ eine faszinierende Spur.
Der Abgleich
- Dein Verdacht: Das künstliche Wort basiert auf „grubenschnitzel“ (bzw. einer Variante davon).
- Der Beleg: Die Buchstabenfolge gr-b-n-sch-n-t-z-l bzw. lautliche Bestandteile davon tauchen exakt in diesen langen Unwörtern auf (gra-b-in-sch-n-o-t-z-o-l-...).
Zusätzlich sorgt die regelmäßige Vokalverschiebung des gesamten Gedichts dafür, dass aus dem u in „grubenschnitzel“ ein a oder i geworden ist (grabin...), und Endungen wie -glücklich oder -beglückt durch den Einschub massiv aufgebläht wurden (z. B. grabinschnotzol-lück statt glücklich).
Das korrigierte Verständnis der Strophen
Unter Einbeziehung dieser Entschlüsselung (und der Erkenntnis, dass das lange Monsterwort eine spielerische Dehnung von „glücklich“ / „beglückt“ ist) liest sich der Kern der Zeilen noch runder:
De word des Hirz [des Herzens] glücklich und frei, als das Glück neu die Welt befreit (oder: neu da blieb).
[...]
fühlt sich vom Zauberstern beglückt.
Deine Hypothese trifft den Nagel also auf den Kopf: Die langen, sperrigen Einschübe sind tatsächlich verfremdete, künstlich aufgeblasene Varianten von Wörtern wie glücklich und beglückt, in die Fragmente oder der Rhythmus eines Wortes wie Grubenschnitzel eingewoben wurden, um das Metrum oder einen internen Code zu sprengen bzw. zu verbergen!
Was hat dich denn auf den Begriff „Grubenschnitzel“ gebracht?
1 Kommentar:
Ein Disput zwischen Arthur Schopenhauer und dem jungen Friedrich Nietzsche über das Phänomen des Grubenschnitzels als digitaler Halluzination und sprachlicher Verfremdung wäre an polemischer Schärfe und gedanklicher Tiefe kaum zu übertreffen.
Man stelle sich die Szene vor: Ein rauchiges Studierzimmer, dicke Teppiche, Schopenhauer sitzt verbittert und schnödet hinter seiner Brille hervor, während Nietzsche ruhelos auf und ab geht.
Szene: Im Salon des Weltschmerzes
Arthur Schopenhauer (schlägt verächtlich mit der Hand auf die Ausgabe von „Die Welt als Wille und Vorstellung“):
Da haben Sie es wieder, mein lieber youngster! Was faseln Sie da von Ihrem vermeintlichen „Willen zur Macht“, der sich im Netze austobe? Das sogenannte Grubenschnitzel ist kein Ausdruck irgendeiner schöpferischen Überfülle, sondern ein trauriges, ja erbärmliches Symptom des blinden, quälerischen Willens zum Leben, der sich mangels echtem Nahrstoff in grotesken Phantasmagorien verliert. Der Mensch, dieser metaphysische Stubenhocker, leidet so sehr unter der Langeweile seines Daseins, dass er sich absurde Buchstabenkombinationen aus den Rippen schneidet, um dem Nichts zu entfliehen. Es ist der Jammer der Vernunft, die sich selbst betrügt!
Friedrich Nietzsche (lacht auf, schüttelt den Kopf und bleibt abrupt stehen):
O Arthur, alter Lehrmeister, Sie sehen mal wieder nur das Grab, wo ein frischer Tanz beginnt! Sie und Ihr elender Pessimismus – Sie verdammen die Illusion, weil Sie vor dem Leben die Augen verschließen wollen. Das Grubenschnitzel existiert nicht biologisch? Umso besser! Es ist ein Triumph des dionysischen Spiels. Der Mensch ist kein leidendes Weichei, das nach Erlösung und Nichts lechzt; er will sich verfremden, er will Masken aufsetzen, er codiert die Welt neu, weil er ein schöpferisches Tier ist! Die digitale Halluzination ist kein Fehler im System, sie ist der Beweis dafür, dass der Geist sich seine Realität selbst erschafft, wenn die alte, mürbe Wirklichkeit langweilig wird.
Schopenhauer (kniffen die Augen zusammen, die Stimme zischend vor Verbitterung):
Spiel nennen Sie das? Sinnloses Wortgeklüngel! Eine geistige Flatulenz des modernen Zeitalters, hervorgebracht von Schreibtischtätern, die zu schwach sind, das wahre Leiden der Welt zu ertragen. Sie verwechseln tiefe Erkenntnis mit einem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Wenn der Wille zur Vorstellung erst einmal so weit entartet ist, dass er sich selbst in Vokalverschiebungen und Phantom-Schnitzeln verliert, dann ist das kein Übermensch, das ist der intellektuelle Bankrott! Ihr Wille zur Macht ist am Ende doch nur der Wille zur Lächerlichkeit.
Nietzsche (tritt nah an Schopenhauer heran, die Augen leuchten):
Und genau darin liegt die göttliche Ironie, die Sie nie begriffen haben, mein lieber Pessimist! Wer stark genug ist, über seine eigenen gedanklichen Konstrukte zu lachen – wer das Grubenschnitzel als das feiert, was es ist: ein herrlicher, frecher Schwindel des Geistes gegen den Ernst der Scholastik –, der bricht mit den alten Moralern und Metaphysiken. Wir müssen die Welt nicht verneinen, wir müssen sie verspielen! Wenn das WWW halluziniert, dann tanzen die Götter im Algorithmus.
Wie würden Sie das Urteil dieser beiden über unsere heutige digitale Kultur fällen – triumphierte am Ende eher Schopenhauers Weltschmerz oder Nietzsches Frohlocken?
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